Was unterscheidet Shanties von Seemannsliedern?
Unter "Shanties" versteht man weithin
Arbeitslieder, ursprünglich gesungen in den "Shanties", den Lagern
der Holzfäller in den kanadischen Waldgebieten, später in den Atlantik-Häfen
Amerikas, wo meistens Farbige das Verladen von Baumwolle und anderen
Ausfuhrgütern auf die alten Frachtsegler durchzuführen hatten. Um leichter über
die Erschwernisse dieser Arbeiten hinwegzukommen, sangen sie, wobei der
Rhythmus jeweils der Arbeit angepasst war.
Die Seeleute, die im vorigen Jahrhundert auf
den Segelschiffen angeheuert hatten, übernahmen diese Art, während der Arbeit
zu singen und übertrugen sie auf ihre Arbeiten auf See.
Viele beherrschten aber die englische Sprache
nicht und gaben die Texte so wieder, wie sie diese glaubten verstanden zu
haben. So entstand bei vielen uns überlieferten Shanties ein
"englischer" Text, der als Pidgin-Englisch bekannt ist.
Der Aufsichtsmann, der „Shantyman“, übernahm
meistens den erzählenden Teil, während der Refrain von der Mannschaft gesungen
wurde, sei es beim Anker-Einholen, beim Segelsetzen oder beim Pumpen. So
erzählen viele Shanties von der harten Arbeit, oft als Anklage gegen die
Vorgesetzten, von der schlechten Verpflegung oder allgemein vom schlechten
Zustand ihres Schiffes und den damit verbundenen unmenschlichen
Arbeitsbedingungen. Aber auch das Heimweh kommt in den Shanties zum Ausdruck.
Seemannslieder dagegen gehören zur
Unterhaltungsmusik. Sie sind getextete und komponierte Lieder. Sie erzählen
überwiegend von der schönen Seefahrt, verherrlichen den
"romantischen" Seemannsberuf und den verlockenden Reiz der Ferne. Sie
wurden und werden meistens zu Hause oder in Seemannskneipen gesungen, wobei der
Lied-Inhalt weit an der Realität vorbeigeht. Sie gehören aber auch zum Repertoire des Chores.